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Facebook-Projekt der Schufa ist gescheitert

Facebook und Schufa
Ein Forschungsprojekt der Schufa hat soziale Netzwerke wie Facebook erneut in den Fokus von Datenschützern gerückt: Die Schufa hatte geplant, die bei Facebook gespeicherten Daten zur Bonitätsbewertung von Personen heranzuziehen.

Proteste aus der Politik, den Medien und des Schufa-internen Verbraucherbeirats brachten das Projekt zum Scheitern.

Das Projekt der Schufa

Als Wirtschaftsauskunftei speichert die Schufa von Kreditinstituten und anderen Vertragspartnern übermittelte Daten, anhand derer die Bonität und Kreditwürdigkeit von Personen ermittelt wird. Konkret bedeutet das für dich, dass du bei einer negativen Schufa-Auskunft Schwierigkeiten bekommen kannst, ein Girokonto zu eröffnen und langfristige Verträge abzuschließen. Eine Kreditaufnahme, Ratenkäufe und Überziehungen sind in der Regel gar nicht mehr möglich.

Neben den durch Vertragspartner übermittelten Fakten plante die Schufa nun in einem Projekt, auch persönliche Informationen aus Facebook zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit heranzuziehen. Dieses Verfahren bewegt sich laut Daten- und Verbraucherschützern in einem juristischen Grenzgebiet: Das Bundesdatenschutzgesetz gestattet zwar die Speicherung von Daten aus öffentlichen Quellen, es ist allerdings unklar, inwieweit derartige Fragmente tatsächlich etwas über die Bonität einer Person aussagen und welche Informationen die Schufa nutzen wollte.

Kritik durch Verbraucherbeirat, Politiker und Datenschützer

Während der Verbraucherbeirat der Schufa das unternehmenseigene Projekt aufgrund des öffentlichen Aufsehens und einem möglichen Imageverlust kritisierte, bemängelte der Verbraucherschutzbeauftragte der FDP vor allem, dass bei Facebook Fake-Accounts angelegt werden können, welche die Informationen zu einer Person verfälschen.

Selbst nach dem Löschen eines solchen Accounts sind die Daten noch verfügbar. Derartiges dürfe keinesfalls als Grundlage zur Bonitätsbewertung herangezogen werden, beanstandet der Politiker. Er forderte daher zu einer Überprüfung des Bundesdatenschutzgesetzes auf.

Ein Kritikpunkt von Datenschützern ist vor allem die Ungewissheit, welche Informationen die Schufa denn nutzen wolle. Würden der Freundeskreis und das persönliche Umfeld einer Person zur Bonitätsbewertung herangezogen, würden sozial schwächer gestellte Bekannte oder eine bestimmte Wohngegend nachhaltig zu unverschuldeten wirtschaftlichen Nachteilen führen.

Das Ende des Projekts

Aufgrund der zahlreichen Proteste ist das Projekt der Schufa vorerst gescheitert. Die Auswertung der Facebook-Daten sollte in Zusammenarbeit mit dem „Hasso-Plattner-Institut“ erfolgen. Die öffentliche Kritik führte jedoch schließlich zur Kündigung des Vertrages seitens des Instituts für Softwaresystemtechnik, welches für die Datenbeschaffung und Nutzung zuständig war.

So kannst du dich schützen

Gegen Fake-Accounts kannst du natürlich nichts ausrichten. Ob Informationen zu deiner Person öffentlich einsehbar sind und somit die Gefahr eines Missbrauchs besteht, kannst du allerdings selbst beeinflussen: In deinem Account hast du die Möglichkeit, verschiedene Details vollständig zu verbergen, sie nur deinen Freunden anzuzeigen oder auch individuelle Einstellungen vorzunehmen.

Unter „Freunde“ kannst du außerdem festlegen, wer diese sehen darf. Verbirgst du deine Freunde vor anderen, können darüber keine Rückschlüsse auf deine Person gezogen werden.

So ist es auch für Unternehmen wie die Schufa nicht ohne Weiteres möglich, deine Bonität und Kreditwürdigkeit anhand der finanziellen Situation deines Umfelds zu bewerten oder gar eine subjektive Analyse von Textfragmenten heranzuziehen.

Quelle: Handelsblatt

Bildquelle: aboutpixel.de / social network © Sergei Brehm

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