Affenstark durch den Gutschein-Dschungel

Internetsüchtig?

Internetsucht
Der Bericht des Suchthilfeverbands „Blaues Kreuz“ vom Mai 2012 ist alarmierend: Über eine halbe Millionen Menschen gelten als internetsüchtig, noch mehr oder als gefährdet.

Inzwischen gibt es erste professionelle Einrichtungen zur Behandlung der Internetsucht, obgleich diese bisher nicht als Krankheit anerkannt ist, denn die Diagnose ist schwierig. Auch die Therapie ist nicht einfach, denn das Internet ist zum festen Bestandteil des Lebens geworden.

Virtuelle Kontakte und Online-Rollenspiele

Am häufigsten verlieren sich die Menschen in sozialen Netzwerken und Online-Rollenspielen, stellt der Suchthilfeverband fest. Allerdings kann nicht jeder, der viel Zeit im Internet verbringt, als gefährdet oder süchtig eingestuft werden, betonen Mediziner und Psychologen. Problematisch wird es, wenn die virtuellen Kontakte und Beschäftigungen persönliche Kontakte und aktive Freizeitbeschäftigungen abseits des Computers immer mehr verdrängen.

Die Grenze zur Sucht ist fließend

Die Experten warnen zwar in Anbetracht des jüngsten Suchtberichtes, nehmen jedoch von einer Pauschalisierung Abstand: Es sei stets das Gesamtbild zu betrachten. Die Nutzung sozialer Netzwerke kann durchaus sinnvoll und erfüllend sein, Online-Rollenspiele können großen Spaß bereiten, das Internet ist eine praktische und wichtige Informationsquelle und viele nutzen es beruflich. Wenn du jedoch darüber das Essen vergisst, die Familie und Freunde vernachlässigst, den Computer nur noch zum Schlafen verlässt, solltest du überprüfen, ob du süchtig oder gefährdet bist.

Internetsucht erkennen

Wer internetsüchtig ist, kann ohne nicht mehr leben. Wie bei Drogenabhängigen stellen sich Entzugserscheinungen ein, wenn du dich statt dem Netz anderen Aktivitäten widmen musst. Das kann sich in einfacher Nervosität bis hin zu Symptomen wie zitternden Händen und Kopfschmerzen äußern. Oft geht die Internetsucht mit anderen Problemen wie Depressionen, Essstörungen, Angstzuständen oder Vereinsamung einher, berichten Therapeuten. Diese können ursächlich sein oder sich im Laufe der Zeit als Begleiterscheinung entwickeln.

Um selbst zu festzustellen, ob du gefährdet bist, empfiehlt es sich, einfach einen internetfreien Tag einzulegen oder täglich mehrstündige andere Aktivitäten zu planen. Kannst du deinen Konsum problemlos einschränken und kontrollieren, gehen Experten davon aus, dass du das Internet bewusst nutzt und deinen Tag aktiv gestaltest. Andernfalls ist die Virtualität dabei, die Realität zu verdrängen oder hat bereits die Kontrolle übernommen.

Was können Betroffene tun?

Der Suchthilfeverband „Blaues Kreuz“ ist bundesweit an über 400 Standorten vertreten und arbeitet mit zahlreichen professionellen Institutionen zusammen. Dort kannst du dich beraten lassen, Informationen zu Selbsthilfegruppen in deiner Umgebung einholen und dir stationäre Einrichtungen nennen lassen, die sich mit der Internetsucht befassen. Die erste dieser Einrichtungen wurde bereits 2008 an der Universität Mainz ins Leben gerufen, 2010 folgte die Therapiestation des Kinderkrankenhauses in Hannover.

Auch die LVR-Klinik in Bonn und die Psychiatrie des Josefinums in Ausgsburg setzen sich mit der Problematik auseinander. Das „Blaue Kreuz“ geht davon aus, dass mit zunehmender Sensibilisierung in der Gesellschaft weitere Einrichtungen folgen. In einer Therapie geht es zunächst um die Ursachenforschung und schließlich darum, den Betroffenen schrittweise wieder an eine aktive Lebensführung und einen bewussten Umgang mit dem Internet heranzuführen.

aboutpixel.de / Gefesselt © Robert Schmetz

Kommentare
Kommentar verfassen
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2007-2018 by Curido Marketing GmbH