Affenstark durch den Gutschein-Dschungel

Liest Gott mit? Die Internetbeichte

Die Internet Beichte
Die Kirche sieht es kritisch: Immer mehr Menschen ziehen das Internet dem traditionellen Beichtstuhl vor, um sich von ihren Sünden zu befreien.

Neben bizarren, ironischen und humorvollen Beiträgen finden sich auf einschlägigen Seiten ernsthafte Beichten von reumütigen Menschen, die ihre Verfehlungen mit einem Klick in die unbekannten himmlischen Gefilde schicken, nämlich auf den Server des Anbieters.

„Herr, ich habe gesündigt“

Nach Ansicht der Kirche ist die Beichte ein heiliges Sakrament, welches dem Betroffenen Erleichterung verschafft. Die Beichte im Internet sieht sie hingegen als Missbrauch, jedoch auch als Lösung für sozial isolierte Menschen, die keinen zum Reden haben. Der kirchliche Beichtstuhl wird überwiegend von der älteren Generation aufgesucht, wie das Bistum Würzburg berichtet, die jüngere Generation nutze hingegen das Internet.

Die Internetbeichte sei allerdings kein wirksames Mittel, um Vergebung zu bitten, führt das Bistum weiter aus – es fehlen insbesondere die Reue und der Vorsatz der Wiedergutmachung. Viele Menschen sind anderer Meinung: Gott ist überall, daher ist auch die Beichte im Internet ein effektives Mittel, sich von Belastendem zu befreien. Andere nutzen den virtuellen Beichtstuhl zur Selbstdarstellung oder um das Universum mit ironischen Beiträgen zu beglücken.

Virtuelle Beichthäuser

Die Betreiber virtueller Beichthäuser sind weniger von christlichen als von wirtschaftlichen Motiven geprägt. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA, inzwischen gibt es zahlreiche über Werbeanzeigen finanzierte Internetauftritte, die jedem die Möglichkeit der Online-Beichte bieten: Nach einer Registrierung schreibst du dein Vergehen anonym in ein Formularfeld, schickst die Nachricht in das virtuelle himmlische Postfach und bist niemandem Rechenschaft schuldig.

Doch eher skurril?

Was in virtuellen Beichthäusern so zu lesen ist, kann die Kirche eigentlich nur zu einem geringen Teil als Missbrauch empfinden. Da gesteht eine 23-jährige Person, dass sie gelegentlich mit einem in der Grundschule selbst gehäkelten Clown politische Diskussionen über einen erfundenen Staat führt, eine 25-jährige Person nutzt die Gelegenheit, der Welt zu erzählen, wie sie erfolgreich ihren Intellekt eingesetzt hat, um eine Gruppe pöbelnder Teenager in die Flucht zu schlagen.

Ein Pinguinliebhaber würde seinen Kühlschrank für eines der possierlichen Tiere opfern, während ein Arbeitnehmer sein Missfallen über faule Arbeitslose kundtut und sich eine Arbeitssuchende während des Bewerbungsgespräches über den Namen eines potenziellen Arbeitgebers amüsiert, woraufhin sie eine unfaire Absage erhält. Du kannst etwas über die erste und einzige Liebe namens Sabine erfahren, über Spickzettel in der Oberstufe und einen Studenten, der Obst und Gemüse aus dem Treibhaus als „sonnengereift“ verkauft. Lediglich vereinzelt finden sich ernsthafte Beiträge.

Ob das tatsächlich die Sünden sind, die sich die Pfarrer täglich anhören möchten, um Gott um Vergebung zu bitten? Oder sind die virtuellen Beichthäuser gar eine Erlösung für die Kirche?

Bildquelle: aboutpixel.de / Il Duomo – Como © Iro

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