Bei vielen Haltern gefürchtet: Die Katze torkelt, fällt plötzlich um, der Kopf wackelt unkontrolliert hin und her. All diese Symptome werden unter der Sammelbezeichnung Ataxie zusammengefasst. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Ungeordnet“. Ataxie ist keine Krankheit, sondern eine Störung im zentralen Nervensystem, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Die Lebensqualität und -freude der betroffenen Katzen ist meist ungetrübt.

Das Zentrale Nervensystem

Über das Zentrale Nervensystem werden Bewegungsabläufe gesteuert. Schäden an Gehirn oder Rückenmark können zu Störungen führen, die Katze hat dann Schwierigkeiten mit der Koordination und kann verschiedene Bewegungsabläufe nicht mehr kontrollieren. Die Ausprägung richtet sich nach der Art der Schädigung.

Mögliche Ursachen

Das Zentrale Nervensystem kann auf unterschiedliche Weise geschädigt werden. Ein Unfall kann ebenso Ursache sein wie eine Vergiftung oder – leider – auch Misshandlung. Bei Katzen kann weiterhin die sogenannte Katzenseuche Störungen am Zentralen Nervensystem verursachen. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, Auslöser ist der Feline Parvovirus (FPV). Betroffen sind vor allem junge Katzen, die sich entweder bereits im Mutterleib oder in den ersten Lebensmonaten mit FPV infizieren. Die Sterberate bei jungen Katzen ist recht hoch. Überleben sie die Krankheit, bleiben meist Schädigungen zurück. Weitere mögliche Ursachen können genetischer Art sein, auch eine Schädigung des Peripheren Nervensystems kann zu Koordinationsstörungen führen.

Symptome einer Ataxie

Je nachdem, welcher Bereich geschädigt ist, unterscheiden sich die Symptome einer Ataxie. Sie reichen von Augenzittern oder einer leichten Schiefhaltung des Kopfes über einen tapsigen Gang bis hin zum Torkeln oder Umfallen. Möglicherweise können Ziele nicht direkt angesteuert werden, gelegentlich treten auch Lähmungserscheinungen oder Steifheit einzelner Gliedmaßen auf.

Diagnose

Um die Ursache und den Grad der Ataxie festzustellen, kann der Tierarzt eine Gehirnstrommessung (EEG), eine Muskelstrommessung (EMG), eine Kernspintomografie, CT, Röntgenaufnahmen und Blutuntersuchungen durchführen. Außerdem geben ihm die Art der Bewegungsmuster Hinweise, um welche Art der Schädigung es sich handeln kann.

Uneingeschränkte Lebensfreude

Wie die Erfahrungen zeigen, stören sich die meisten Ataxie-Katzen gar nicht an den Koordinationsstörungen. Im Gegenteil: Sie werden als äußert lebensfroh, verspielt und anhänglich beschrieben. Wenn sie umfallen, stehen sie einfach wieder auf und steuern erneut ihr Ziel an. Verfehlen sie dieses, folgt freudig der nächste Versuch. Wichtig ist der richtige Umgang mit den betroffenen Tieren, beispielsweise das Katzenklo derart zu gestalten, dass sie darin Halt finden und nicht umfallen. Keinesfalls sollten Ataxie-Katzen vorschnell „erlöst“ werden – häufig genießen sie eine (aus ihrer Sicht) uneingeschränkte Lebensqualität und können ein hohes Lebensalter erreichen.

Gelegentlich stellen sich im Laufe der Zeit auch Verbesserungen ein. Eine fortschreitende Erkrankung des Zentralen Nervensystemes und Krankheiten sollten natürlich ausgeschlossen beziehungsweise überwacht werden.

Einsatz für Ataxie-Katzen

Der Verein „Feline Senses – Lebensfreude für Katzen mit Ataxie e.V.“ informiert ausführlich über den Umgang mit den liebevoll als „Wackelkatzen“ bezeichneten Tieren und bietet Haltern Unterstützung an. Ziel ist vor allem die Aufklärung, dass Ataxie alleine kein Grund darstellt, eine Katze, womöglich gar im Kittenalter, einzuschläfern. Immer sollte eine Differenzialdiagnose erfolgen, um festzustellen, ob die Katze tatsächlich leidet, denn an eine bloße Gleichgewichtsstörung bereitet dem Tier weder Schmerzen noch nimmt es diese als Behinderung wahr.

Das Motto des Vereines: Gebt Ataxie-Katzen eine Chance! Feline Senses e.V. ist übrigens auch der offizielle Unterstützer unserer „Hoch die Tatzen“ Aktion.