2008 starben in Deutschland zehntausende Bienenvölker und auch in den Jahren danach nahm die Population kontinuierlich ab. Imker sind der Ansicht, dass neben der Varroa-Milbe Pestizide dafür verantwortlich sind. Im Verdacht stehen „Clothianidin“ und „Imidacloprid“ von Bayer sowie „Thiamethoxam“ von Syngenta. Trotz Widerspruch der Konzerne sprach ein Brüsseler Berufungsausschuss im April 2013 ein vorübergehendes Einsatzverbot aus.

Bienensterben in Deutschland

Wie das „Umweltprogramm der Vereinten Nationen“ (Unep) bekanntgab, ist die europäische Bienenpopulation in den letzten Jahren etwa 30 Prozent zurückgegangen. Der „Deutsche Imkerbund“ (DIB) macht neben den zunehmenden Monokulturen in der Landwirtschaft Schädlinge und Pestizide dafür verantwortlich. Insbesondere die Varroa-Milbe gilt als Gefahr für Bienen. Die von den weiblichen Milben befallenen Bienenmaden verenden entweder sofort oder überleben nur stark geschwächt.

Möglicherweise ist auch dies eine Ursache für die Sensitivität der Bienen gegenüber den Pestiziden. Der DIB ist allerdings der Ansicht, dass in erster Linie Neonicotinoide den Bienen schaden: Sie greifen das Nervensystem und das Immunsystem an, wodurch tödlich verlaufende virale und bakterielle Erkrankungen begünstigt werden, außerdem stören sie das Sammelverhalten der Bienen.

Bienen sind wichtig für die Natur

Von dem Bienensterben sind nicht nur Imker betroffen. Bienen bestäuben unermüdlich Pflanzen, die ohne Unterstützung der Insekten keine Früchte entwickeln würden: Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, sondern etwa 80 Prozent weniger Obst und Gemüse. Bereits 2008 zog das „Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit“ (BVL) aufgrund des Bienensterbens die Zulassung für das Neonicotinoid „Poncho“ von Bayer zurück. Allerdings gibt es nach wie vor Ausnahmegenehmigungen für Mais und für Raps ist die Anwendung, neben anderen Neonicotinoiden, wieder ausnahmslos erlaubt – und die Bienenpopulation nimmt weiterhin ab. Der DIB fordert daher ein konsequentes Verbot für alle Neonicotinoide.

Entscheidung in Brüssel zugunsten der Bienen

Bereits im März 2013 wurde in Brüssel über die Zulassung der Pestizide „Clothianidin“, „Imidacloprid“ und „Thiamethoxam“ abgestimmt. Den 13 für ein Verbot stimmenden Ländern standen neun Gegenstimmen und fünf Enthaltungen gegenüber, auch Deutschland enthielt sich der Stimme. Am 29. April 2013 schließlich sprach die EU-Kommission ein zweijähriges europaweites Einsatzverbot für die Pestizide aus. Nachdem zunächst der 01.07.2013 angedacht war, soll das Verbot ab dem 01.12.2013 in Kraft treten. Der Zeitpunkt wurde gewählt, um durch die Entscheidung nicht statt der Bienenpopulation nun den Mais- und Rapsbestand zu gefährden.

Innerhalb der zwei Jahre sollen Forschungen weiteren Aufschluss darüber geben, inwieweit die Pestizide den Bienen schaden und welche Alternativen es für die Landwirte gibt. Im Anschluss soll eine erneute Überprüfung der Zulassungsbedingungen erfolgen. Nach wie vor sind die Konzerne Bayer und Syngenta der Auffassung, die Neonicotinoide seien nur bei falscher Anwendung eine Gefahr für Bienen. Verschiedene Studienergebnisse der vergangenen Jahre deuten jedoch auf einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Pestizide und dem Bienensterben hin.