Plastiktüte Tonnenweise Plastikmüll in den Ozeanen, strangulierte Vögel, verendete Fische, erstickte Tümmler – Massensterben bei den Meerestieren. Die Bilanz ist erschreckend! An einigen küstennahen „Sammelstellen“ sind die Abfallstrudel sogar vom Weltraum aus zu sehen.

Deshalb soll eine europaweite Zwangsabgabe für Plastiktüten ein weiteres Anwachsen der Müllberge im Meer verhindern. Doch ist eine solche Maßnahme überhaupt sinnvoll?

Plastiktüten Zwangsabgabe – Irland als leuchtendes Beispiel, Deutschland soll folgen

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten beträgt im EU-Durchschnitt knapp 200 Stück jährlich. Doch diese Statistik ist irreführend. Während in Bulgarien 442 Tüten pro Kopf nach der Benutzung in den Müll wandern, sind es in Deutschland 71 Tüten und in Irland (dank eines Tüten-Pfandes von 44 Cent) sogar nur 18 Tüten pro Person und Jahr. Es geht wohlgemerkt um kostenlose Einkaufstüten, Müllsäcke sind in dieser Statistik nicht aufgeführt.

Es besteht keine Notwendigkeit, Socken, T-Shirts & Co. in Plastik zu verpacken und beim Einkauf zusätzlich in eine Plastiktüte zu stecken! Durch eine Zwangsabgabe auf Plastiktüten sollen alle EU-Länder dazu gebracht werden, den Pro-Kopf-Verbrauch spürbar zu senken. Deutschland soll dabei zukünftig eine Vorreiter-Rolle einnehmen, denn bereits bei der Mülltrennung und beim Recycling sind die Deutschen Spitzenklasse. Dank seines allgemein guten Rufes als vorbildliche Wirtschaftsnation soll Deutschland auch in Bezug auf den Meeresmüll mit gutem Beispiel vorangehen und andere Länder mitziehen. Das könnte in Europa klappen, doch was ist mit dem Rest der Welt?

Plastikmüll in den Weltmeeren vermeiden – das Umdenken muss weltweit erfolgen

Nicht allein Plastiktüten sind eine Gefahr für Fische, Vögel und Meeressäuger. Plastikflaschen, entsorgte Kunststoffnetze (in denen Delfine qualvoll verenden), ungeklärter Abfall von Handels- und Kreuzfahrtschiffen und sogar Granulat aus Zahnpasta sind ausschlaggebend für die gefährliche, nicht abbaubare Verschmutzung. Auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche treiben 13.000 Plastikpartikel, die weltweit verteilt werden. Fische schlucken die für sie tödlichen Partikel als Nahrung; der weltweite Fischbestand (als wichtiges Grundnahrungsmittel der Menschheit) ist gefährdet. Wirft jemand an der Westküste Afrikas eine Plastikflasche ins Meer, landet sie durch die Meeresströmungen irgendwann an den Küsten von Nord- und Ostsee. Ebenso verhält es sich mit Plastikmüll aus den Küstenregionen Kubas, Bahamas oder Floridas.

Die Menschen in anderen Regionen der Erde interessiert eine Plastiktüten Zwangsabgabe in Deutschland nicht. Eine Müllvermeidung in Europa zieht nicht automatisch ein Umdenken in weniger entwickelten Staaten nach sich, in denen für einen Großteil der Bevölkerung das eigene Überleben wichtiger ist als das Überleben der Meerestiere. Hier ist die Politik gefragt und zwar in jedem Land!

Ist die Zwangsabgabe für Plastiktüten lediglich eine versteckte Öko-Steuer?

Bundesumweltminister Altmeier ist gegen eine Plastiktüten Zwangsabgabe und sieht es realistisch: In Deutschland ist die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll nicht das Problem. Hierzulande wird nahezu jeglicher Müll einem hervorragend entwickeltem Abfall- und Recyclingsystem zugeführt. Deshalb würde eine Plastiktüten Zwangsabgabe in Deutschland nicht dazu beitragen, den Meeresmüll zu verringern.

Andere Länder zu dieser Abgabe zu zwingen, beseitigt das ursächliche Problem ebenfalls nicht. Stattdessen muss in strukturschwachen Ländern die Abfallwirtschaft verbessert werden. Umweltexperten fordern zusätzlich ein weltweites Abkommen zur Müllreduzierung – ähnlich wie beim Treibhausgasausstoß. Die Ressourcenknappheit wird zwar dafür sorgen, dass in wenigen Jahrhunderten (Fachleute reden sogar von Jahrzehnten) jede Plastiktüte ein wertvoller Rohstoff sein wird, doch dann dürfte es für die Meerestiere, und damit auch für die Menschen, zu spät sein.

Bildquelle: aboutpixel.de / Plastic bag © Lasse Kristensen