Küken

Es sind nicht nur Massentierhaltung und Legebatterien, die bei Tierschützern auf Kritik stoßen. Die Tatsache, dass jährlich über 40 Millionen männliche Küken getötet werden, ist vielen Verbrauchern nicht bekannt.

Warum müssen männliche Küken sterben?

Während Legehennen auf Leistung gezüchtet werden, sie sollen möglichst viele Eier legen, werden Masthühner auf eine ausgeprägte Brustmuskulatur gezüchtet, um einen möglichst hohen Fleischanteil zu erhalten.

Beim Nachwuchs aus einer Legehennenzucht sind nur die weiblichen Küken von wirtschaftlicher Bedeutung, aus ihnen werden Legehennen. Für die männlichen Küken gibt es keine Verwendung, sie werden daher kurz nach dem Schlupf aussortiert und vergast oder geschreddert.

Zahlen

Bis zu 300 Eier kann eine auf Hochleistung gezüchtete Legehenne im Jahr produzieren. Wie der Mediendienst „Marktinfo Eier und Geflügel“ (MEG) bekannt gab, wurden in Deutschland im Jahr 2010 durchschnittlich 214 Eier pro Kopf verzehrt. Dafür müssen jährlich über 40 Millionen männliche Küken sterben. Das Bewusstsein der Verbraucher hat sich immerhin dahin gehend gewandelt, dass zunehmend Bio-Eier gekauft werden, die nicht aus Legebatterien stammen, doch dies bewahrt die männlichen Küken nicht vor ihrem sinnlosen Tod: Auch viele Legehennen in der Bio-Eier-Industrie stammen aus Hochleistungszuchten.

Den Tod erleiden die männlichen Küken in Schreddern oder mit Gas gefüllten Behältnissen.

Alternative Zweitnutzungshuhn

Einige Bio-Bauern sind der Ansicht, dass die männlichen Küken aus einer Legehennenzucht sehr wohl gemästet werden können. Dies erfordere allerdings ein Umdenken in der Zucht, denn es dürfe nicht mehr ausschließlich auf Leistung, sondern müsse zugleich im Hinblick auf die Fleischproduktion gezüchtet werden. Die männlichen Küken könnten dann als Zweitnutzungshuhn am Leben bleiben und würden nicht sinnlos getötet, sondern immerhin dem Verzehr dienen. Das Kükentöten könnte auf diese Weise zumindest reduziert werden.

Geschlechtsbestimmung vor dem Schlupf

Eine andere Alternative wäre es, das Geschlecht der Küken bereits im Ei zu bestimmen. Forscher der Uni Jena haben eine Möglichkeit gefunden, die DNA der Keimscheibe zu untersuchen. Da Hähne zwei X-Chromosome haben, Hühner jedoch nur eines, sind die Eier mit männlichem Nachwuchs um etwa zwei Prozent schwerer. Allerdings ist diese Methode noch nicht ganz ausgereift, denn obgleich die Keimscheibe auf dem Dotter schwimmt, ist sie meist schwer zu finden.

Hier greifen die Forscher bisher auf eine von Medizinern entwickelte optische Kohärenz-Tomografie zurück. Nach der Geschlechtsbestimmung könnten die Eier mit männlichem Nachwuchs bereits vor dem Schlupf aussortiert werden, sie müssten dann nicht mehr qualvoll als Küken sterben. Viele Tierschützer stehen auch dem kritisch gegenüber.

Verzicht auf Eier

Verbraucher könnten ebenfalls etwas an der Situation ändern, indem sie völlig auf den Verzehr von Eiern verzichten. Dazu kann aber niemand gezwungen werden und es würde außerdem erfordern, genau zu wissen, in welchen Lebensmitteln Eier enthalten sind. Wer Plätzchen, Kuchen, Mayonnaise und andere Lebensmittel erwirbt, nimmt also weiterhin in Kauf, dass dafür männliche Küken geschreddert oder vergast wurden.

Ein interessantes Video zum Thema Kükenauslese gibt es auf Clipfish, allerdings ist dies nichts für schwache Nerven.

Bildquelle: aboutpixel.de / Pärchen © Kerstin Runge