An der Nordostküste Australiens erstreckt sich das größte Korallenriff der Erde, das Great Barrier Reef, im Deutschen auch als Großes Barriereriff bezeichnet. Es ist eines der sieben Weltwunder der Natur und wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Entdeckt wurde es 1770 vom bekannten britischen Seefahrer und Entdecker, James Cook.

Ein einzigartiges Ökosystem

359 Steinkorallenarten bilden dort die größte Struktur auf der Erde, die von Lebewesen geschaffen wurde und bieten eine Heimat für zahlreiche weitere Tiere. Weichkorallen und Seefedern, über 1000 Fischarten, Schwämme, Stachelhäuter (z. B. Seesterne) und Weichtiere leben dort ebenso wie etwa 215 verschiedene Vogelarten und sechs der sieben Meeresschildkrötenarten, von denen einige vom Aussterben bedroht sind. Aber auch die gefährdeten Seekühe (Dugongs) und verschiedene Walarten finden dort hervorragende Lebensbedingungen.

Gefahren für das Great Barrier Reef

Australische Wissenschaftler warnen nun vor den verschiedenen Bedrohungen, denen sich dieses einmalige Ökosystem gegenüber sieht und weisen darauf hin, dass es sich nicht mehr so regenerieren kann, wie dies einst der Fall war. Gefährdet ist das Ökosystem vor allem durch den Ausbau der Küsten, wie etwa dem Bau des weltweit größten Kohlehafens direkt am Great Barrier Reef (Abbot Point), landwirtschaftliche Abwässer und eine schlechte Wasserqualität. Zwischen 1985 und 2012 hat das Riff bereits die Hälfte seiner Korallen eingebüßt und bereits 2002 waren 60 bis 95 Prozent des Riffs beschädigt. Verantwortlich dafür ist auch die globale Erwärmung, etwa durch Versauerung der Meere.

Kritikpunkt „Abbot Point“

Beim Bau des größten Kohlehafens der Welt sollen rund drei Millionen Kubikmeter Meeresboden in einer Entfernung von etwa drei Kilometern zur Küste abgeladen werden. Vor einer Industrialisierung des Weltkulturerbes warnen nicht nur Umweltschutzorganisationen, wie z. B. Greenpeace, sondern auch zahlreiche Wissenschaftler und die Tourismus-Industrie protestieren gegen dieses Vorhaben.

Walschutz im Great Barrier Reef

Ein weiterer Punkt sind die Zusammenstöße von Frachtschiffen mit Walen, die nicht selten mit dem Tod der Tiere enden. Als Gegenmaßnahme fordern Tierschützer eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Frachtschiffe, die das Korallenriff durchqueren.

Nur wenig Optimismus zu spüren

Der Präsident der Australian Coral Reef Society, Peter Mumby, äußert sich denn auch nicht wirklich optimistisch, was die Zukunft des Riffs angeht. Er erwartet im Jahr 2050 weniger Fische, aber dafür Schwaden von Meeresalgen, wo einst Korallen gediehen. Ein Senatsausschuss untersucht aktuell, wie die Regierungen Australiens und Queenslands das Riff betreut haben. Die UNESCO wird im Juni nächsten Jahres entscheiden, ob sie das Great Barrier Reef auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes setzen wird.