Glaubt man der Werbung, dann gibt es in der Fertigfutterindustrie nur glückliche Tiere, die von ihren Besitzern geliebt und verwöhnt werden. Nur mit dem besten Futter natürlich. Blickt man jedoch hinter die Kulissen, so zeigt sich schnell ein ganz anderes Bild. Denn um die Rezeptur für das Futter der bepelzten und gefiederten Freunde herzustellen, wurden in vielen Fällen zunächst einmal Tierversuche durchgeführt.

Wozu werden in diesem Zusammenhang Tierversuche durchgeführt?

Beim Futter für Nutztiere haben Tierversuche meist das Ziel, die maximale Leistung der Tiere (Milch-/Mastleistung) zu verbessern, bei Liebhabertieren geht es oft eher darum, sich Marktvorteile zu sichern. Gerade Spezialfuttermittel für diverse Erkrankungen (Nierendiäten etc.) werden zunächst an Versuchstieren auf ihre Wirksamkeit getestet. Die Hunde, Katzen, Vögel etc. dienen in dem Zusammenhang im Endeffekt als lebende Messinstrumente, in die auf der einen Seite Futter „eingefüllt“ wird und dann an anderer Stelle dessen Wirksamkeit gemessen wird.

Wie muss ich mir Tierversuche für Tierfutter vorstellen?

Tiernahrungshersteller suggerieren häufig, dass sie nur harmlose Geschmackstests durchführen würden, was für einige Anbieter durchaus auch zutrifft. Man muss jedoch bedenken, dass Futtermittelhersteller Tierversuche in der Regel nicht selbst erledigen, sondern dafür mit Universitäten im In- und Ausland zusammenarbeiten oder auch Labore außerhalb der Landesgrenzen unterhalten. Belegen lassen sich Tierversuche für Tierfutter beispielsweise durch einen Blick in die entsprechenden Studien, die oftmals frei im Internet zugänglich sind und in denen der jeweilige Versuchsaufbau in der Regel sehr detailliert beschrieben wird.

Beispiele aus vergangenen Studien:

  • Verabreichung von Futter mit verschiedenen Vitamingehalten, um zu sehen, wann es zu einer Überversorgung/Unterversorgung kommt (bis zum Auftreten deutlicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen)
  • Haltung der Tiere in Stoffwechselkäfigen auf engstem Raum ohne artgerechte Beschäftigung, um ein- und ausströmende Luftmenge, aufgenommene Nahrungsmenge und ausgeschiedene Kot- und Harnmenge genau überprüfen zu können.
  • Künstliche Zufügung gesundheitlicher Schäden, um die Wirkung von Spezialdiäten zu prüfen.
  • Öffnung des Bauchraums im Anschluss an Futtertests zur Probenentnahme aus dem Darm (mehrmals hintereinander)
  • Tötung der Tiere nach einem gewissen Zeitraum, um die einzelnen Organe untersuchen zu können

Kritik an Tierversuchen für Tiernahrung

Neben den oft schmerzhaften und gesundheitsschädlichen Eingriffen und der nicht artgerechten Haltung der Versuchstiere nennen Tierschützer noch andere Punkte, die gegen Versuche dieser Art sprechen. So sind schon zahlreiche unterschiedliche Fertigfuttermittel in bewährter Rezeptur auf dem Markt, so dass weitere nicht zwingend notwendig sind. Viele der innovativen Inhaltsstoffe in neuen Rezepturen sind zudem in gesundheitlicher Hinsicht als eher zweifelhaft anzusehen. Dazu kommt die mangelnde Transparenz. Es lässt sich nicht immer zweifelsfrei ausschließen, dass die Tierversuche nicht in eigenem Interesse beeinflusst wurden, um auch weniger hochwertiges Futter mit wissenschaftlicher Grundlage rechtfertigen zu können. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tierhaltern und die gründliche Auswertung bereits durchgeführter Studien könnten bereits heute Tierversuche für Tierfutter vermieden werden.

Wo finde ich Futter ohne Tierversuche?

Um Futtermittelhersteller zu finden, die gänzlich auf Tierversuche verzichten, hält beispielsweise PETA eine Positivliste bereit. Eine weitere Anlaufstelle ist die Datenbank von Wer-macht-was. Der Online-Shop www.futterriese.de führt nur Produkte, die ohne Tierversuche hergestellt wurden. Eine weitere Alternative wäre der Verzicht auf Fertigfutter und die Umstellung auf selbst zusammengestellte Kost, sprich B.A.R.F. oder Selbstgekochtes für Katzen und Hunde und/oder Frisch- und Raufutter für Kaninchen und Meerschweinchen.