Es begann mit der Krebsmaus: 1984 wurden an der Harvard-Universität einer Maus menschliche Brustkrebsgene injiziert. Noch im selben Jahr erfolgte eine Patentanmeldung auf die krank gemachte Maus in den USA, 1985 beim Europäischen Patentamt (EPA) in München.

In den USA wurde das Patent bereits 1988 genehmigt. Seitens des EPA erfolgte zunächst eine Ablehnung, bis das Patent schließlich 1992 doch erteilt wurde. Allerdings erstreckte sich dieses nicht „nur“ auf Mäuse, sondern auf alle Säugetiere – der Mensch ausgenommen. Europaweit wurden Proteste laut und einige hundert Organisationen schlossen sich zu der Initiative „No Patents of Live!“ zusammen.

Kein Patent auf Leben

In Deutschland sind über hundert Organisationen an der Initiative „Kein Patent auf Leben!“ beteiligt. Sie legten mehrfach Einspruch beim EPA gegen das Krebsmaus-Patent ein. Nach zwei Verhandlungen in den Jahren 1995 und 2001 wurden die Patentrechte zunächst auf Nagetiere beschränkt, 2004 schließlich auf Mäuse und Ratten. Für die Gegner nur ein Teilerfolg, denn sie sehen die Manipulation von Leben grundsätzlich als ethisch und ökologisch bedenklichen Eingriff in die Natur an und kritisieren außerdem die dahinter stehenden wirtschaftlichen Interessen.

Der Widerstand richtet sich nicht nur auf die Patentierung von Tieren, sondern auch auf die von Pflanzen, manipuliertes Saatgut eingeschlossen, sowie Gensequenzen, menschliche Stammzellen und menschliches Gewebe.

Der Mensch als Schöpfer?

Die Initiative „Kein Patent auf Leben!“ ist der Ansicht, der Mensch spiele sich mit Manipulationen an Pflanzen und Tieren als Schöpfer auf. Das Leben sei jedoch eine „Erfindung“ der Natur, nicht des Menschen, daher habe dieser kein Recht, genetische Eingriffe vorzunehmen. Zumal solche, insbesondere bei Tieren, Leiden verursachen, die anschließend mit der Patentierung vermarktet werden.

Genmanipulationen sind keine Erfindungen

Patente dienen dazu, Erfindungen und geistiges Eigentum zu schützen. Eine Maus, der menschliche Krebszellen injiziert werden, kann nach Auffassung von Tierschützern und der Initiative „Kein Patent auf Leben!“ nicht dazu zählen, denn sowohl die Maus als auch die Zellen haben bereits existiert. Sie ist demnach keine Laborerfindung, zumal die ganze Maus samt ihrer Nachkommen und aller anderen künftig ebenso manipulierten Säugetiere patentiert wurde.

Mit der Patentierung von Leben erhält die Industrie Besitzrechte am Leid von Tieren, deren einziger Nutzen es ist, Monopolstellungen zu schaffen und wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Neben ethischen und tierschutzrechtlichen Bedenken steht dies im krassen Widerspruch zum Europäischen Patentübereinkommen, Regel 23 d.