Wildkatzenhybride, also die Kreuzung zwischen verschiedenen Wildkatzenarten oder auch zwischen Haus- und Wildkatze, bringen immer einen Hauch von Exotik mit, den Eindruck von etwas ganz Besonderem, wie es der Schaffung neuer Arten nun einmal gemein ist. War besonders im 19. Jahrhundert die Zucht von Großkatzenhybriden in Zoos sehr beliebt, so sind es heute in der Regel die Kleinkatzen, die Einzug in deutsche Wohnzimmer erhalten, wenn auch nicht immer ganz problemlos. Besonders Bengalkatzen findet man – so habe ich den Eindruck – in letzter Zeit immer häufiger in den einschlägigen Kleinanzeigenportalen, wo sie für kleines Geld abgegeben werden. Meist aus „privaten Gründen“.

Warum Kleinkatzenhybride als Haustiere?

Wer sich für eine Kreuzung aus Haus- und Wildkatze entscheidet, der ist oft fasziniert von den wilden Verwandten unserer Samtpfoten, die jedoch für die Heimtierhaltung in den meisten Fällen nicht geeignet sind. Ein Hybrid scheint da ein guter Kompromiss zu sein, die Vorteile einer Hauskatze mit der Exotik einer echten Wildkatze zu vereinen, ein Schmusetier im Raubtierpelz sozusagen. Am bekanntesten sind hier wohl Bengalkatzen (eine Kreuzung aus wilder Bengalkatze und Hauskatze) und Savannah-Katzen (eine Kreuzung aus Serval und Hauskatze). Zudem erregte die geplante Zucht von Caracats (eine Kreuzung aus Karakal und Hauskatze) in Österreich vor einigen Jahren großes Aufsehen und führte zu immensen Protesten im World Wide Web. Grundsätzlich wird meist eine Katze mit umgänglichem Charakter gewünscht, die der Wildform optisch so nah wie möglich kommt.

Mögliche Probleme und moralische Bedenken

So schön Wildkatzenhybride auch sind und das sind sie zweifellos, so wird doch auch immer wieder Kritik an dieser Neuschaffung von Katzenarten laut. Kritiker bemängeln unter anderem, dass es gerade bei der Kreuzung der Wildform mit der Hauskatze in der ersten Generation durch die abweichende Körpersprache und den anderen Geruch zu Missverständnissen zwischen Katze und Kater und dadurch zu Verletzungen des Stubentigers kommen kann. Unterschiedliche Tragzeiten können zudem für Komplikationen bei der Geburt oder Probleme bei den Kitten sorgen.

Besonders bei Katzen der ersten Generationen (F1 bis F4) wird außerdem häufig vergessen, dass eine normale Haltung als Hauskatze schlichtweg nicht möglich ist. So sind bis zur Generation F4 bestimmte Auflagen an ein tiergerechtes Gehege zu erfüllen und es können je nach Katze und Bundesland eine Haltungsgenehmigung und eine CITES-Bescheinigung notwendig sein.

Angeführt wird außerdem, dass gerade bei Wildkatzenhybriden der ersten Generationen ab Eintritt der Geschlechtsreife häufig das Wesen der Wildkatze zu Tage kommt. Dies kann sich z. B. in territorialem Verhalten äußern. Viele Hybride markieren auch trotz Kastration noch fleißig. Darüber hinaus sollte bei Katzen generell und bei Wildkatzenhybriden im Besonderen eine artgerechte Ernährung mit Fleisch (Rohfütterung/B.A.R.F.) eine Selbstverständlichkeit sein. Die Hybride sind Hauskatzen oft auch körperlich überlegen, was sich z. B. in einer größeren Sprungkraft äußert. Auch das sollte bei der Anschaffung und der Gestaltung einer tiergerechten Wohnumgebung bedacht werden.

Fazit:

Die Haltung von Katzen generell und von Katzen mit Wildanteil im Speziellen sollte vor deren Anschaffung gründlich mit all ihren Besonderheiten bedacht werden. Letztendlich sollte nicht allein der Wunsch nach einer ganz besonderen Katze ausschlaggebend für die Wahl sein, sondern genau abgewogen werden, ob auch wirklich die Möglichkeit und die Bereitschaft bestehen, diese ihrer Art entsprechend zu halten.